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22
Oktober
2018
 
Wissenwertes

Das Museumsufer


Historie

In Frankfurt-Sachsenhausen, am Südufer des Mains, befindet sich eine Reihe bemerkenswerter Museen, ein Treffpunkt von Kunst und Kunstanschauungen, die unter dem Sammelnamen „Museumsufer" nicht nur europäische Bedeutung erlangt haben, sondern inzwischen auch darüber hinaus bekannt sind.

Wer den Begriff „Museumsufer" geprägt hat, ist umstritten. Tatsache ist jedoch, dass der ehemalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann seit 1978 der Stadt Frankfurt mit diesem Begriff einen unverwechselbaren hervorragenden neuen Ruf verschafft hat.

Am Rande der Flusslandschaft des Mains ist am südlichen, dem Sachsenhäuser Ufer unter Einbeziehung von Villen aus dem frühen l9. bis zum frühen 20. Jahrhundert zusammen mit Neubauten von architektonischem Rang nicht nur ein bauliches und stadträumliches Kontrastprogramm zur Skyline von Frankfurt-City entstanden, sondern ein kulturelles Zentrum von mehr als europäischem Rang.

Das Museumsufer hat der wirtschafts- und verkehrspolitischen Bedeutung Frankfurts einen kulturellen Glanzpunkt an die Seite gestellt — einen großartigen Kultur- und Erlebnisraum in dieser Stadt.

Die kilometerlangen Platanenreihen am Sachsenhäuser Mainufer, die die alten und neuen Museen verbinden, sind darüber hinaus eines der schönsten Flussufer-Ensembles in Deutschland.

Am historischen Beginn der Kulturmeile „Museumsufer" stehen alt traditionsreiche Museumsbauten, denen in den beiden letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts weitere neue und bedeutende Institutionen hinzugefügt wurden. Für den Besucher des Museumsufers bietet sich damit auf engem Raum eine außerordentliche Vielfalt von Kulturerlebnissen.

 

Blick vom Museumsufer auf die Skyline

 

Einen einzigartigen Reiz bietet das Museumsufer darüber hinaus sowohl dem Flaneur wie dem schnelleren Autofahrer: den Blick zur Frankfurter City mit ihrer Skyline, die sich auch in Zukunft durch weitere geplante Hochhäuser verändern wird.

Tagsüber schon unverwechselbar, bietet dieses Bild bei nächtlicher Beleuchtung ein noch beeindruckenderes Beispiel einer Ansammlung von Hochhäusern, die in Europa nichts Vergleichbares hat.

Die Reihenfolge der Museen entspricht einem Spaziergang, der an der alten Mainbrücke am Deutschordenshaus beginnt und dann den Schaumainkai entlangführt bis hin zur Friedensbrücke.

 

Spaziergang

Ikonen-Museum der Stadt Frankfurt am Main (Brückenstr. 3 -7, Stiftung Dr. Schmidt-Voigt). Im ehemaligen Deutschordenshaus wurde dieses Museum 1990 in neu konzipierten Innenräumen eröffnet. Es bildet den östlichen Abschluss des Museumsufers. Beim Umbau hat der Architekt 0. M. Ungers (Architektur-Museum) seine auf die Grundform des Quadrats beschränkten Formvorstel1ungen in spannungsreiche Beziehung zur barocken Fassade des Gebäudes gesetzt. Das Museum entstand 1988 aus der Schenkung des Königsteiner Arztes Dr. J. Schmidt-Voigt, der der Stadt seine aus dem 16. bis 19. Jahrhundert stammende Sammlung von 8OO Ikonen stiftete.

Die Sammlung wurde durch weitere Schenkungen und Leihgaben auf über 1000 Exponate erweitert, insbesondere 1999 durch die Dauerleihgabe von 82 Gegenständen aus dem Besitz der Staatlichen Museen zu Berlin.

Das Museum präsentiert zusätzlich Ausstellungen zeitgenössischer Künstler, die einen Bezug zur Thematik des Museums haben.

 

Museum für Angewandte Kunst (Schaumainkai 15). Mit seinem großen Sammlungsbestand von mehr als 30 000 Objekten aus 6 000 Jahren zählt es zu den bedeutendsten internationalen Museen seiner Art.

Seine Geschichte beginnt mit einer Gründung Frankfurter Bürger, die sich 1877 im Mitteldeutschen Kunst- und Gewerbeverein zusammenschlossen.

Zu den reichhaltigen Sammlungen gehört insbesondere europäisches Kunsthandwerk vom 12. bis zum 21. Jahrhundert. Daneben werden Buchkunst und Grafik, islamische Kunst sowie Kunst und Kunsthandwerk Ostasiens gezeigt.

Ein neuer weiterer Schwerpunkt ist „Digital Craft", angewandte digitale Kunst, die laut Aussage des Museums im Hinblick auf eine kreative Zukunft und die lernende Gesellschaft hin erforscht wird.

Ursprünglich nur in einem „Gartenhaus" — besser einer Villa — der Bankiersfamilie von Metzler von 1802/1804 untergebracht, wurde das Museum 1985 durch den beeindruckenden Neu- und Erweiterungsbau des New Yorker Stararchitekten Richard Meier auf eine Ausstellungsfläche von über 5000 Quadratmetern vergrößert.

Dieser Neubau hat den Ruf des Frankfurter Museumsufers entscheidend mitbegründet.

Der ehemalige Direktor J.M. Bradburn wollte „die angewandte Kunst in das Alltagsleben hineintragen". Er sah dieses Museum als „Piazza, einen Ort der Begegnung und der Auseinandersetzung mit den Lebensformen der Vergangenheit und der Zukunft."

 

Museumspark

 

Der zum Museum gehörige Park, die Verbindung zum Museum der Weltkulturen, hat von der Mainuferstraße (Schaumainkai) einen Zugang mit einem den Propyläen nachempfundenen Bauwerk. Der dort beginnende Weg führt in Nord-Süd-Richtung zur Metzlerstraße. Er kreuzt in der Mitte an einem Brunnen einen Weg, der als Ost-West-Achse nicht nur durch den Park, sondern auch durch das Museum führt. Er endet im Osten an einem Guckloch an der Grundstücksmauer in der Schifferstraße. Von außen kann man von dort diese Achse in gesamter Länge durchschauen. Der Brunnen selbst ist ein stilisiertes Modell des Museum für angewandte Kunst. Der höhere Quader ist das Metzler'sche Gartenhaus.Das Wasser sprudelt in Richtung der beiden Achsen.

 

Museum der Weltkulturen (Schaumainkai 29-37, früher Museum für Völkerkunde). Erkennbar am hoch aufragenden Kultpfosten aus Neu-Guinea vor dem Eingang, erstreckt sich dieses Museum über drei alte Häuser des 19. Jahrhunderts am Mainufer. Ursprünglich Teil der Senckenbergischen Gesellschaft wurde es später zu einer Abteilung im Historischen Museum. Seit mehr als 80 Jahren ist es jedoch als Museum selbstständig.

Eine Erweiterung im hinteren Teil des Museumsparks an der Metzlerstraße, geplant von Richard Meier, dem Architekten des Erweiterungsbaus des mak, konnte nach 1990 aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden.

Mehr als 60 000 Objekte des riesigen Museumsbestandes geben Einblick in die Kultur und das Leben fremder Völker.

Schwerpunkte der Sammlung sind Ozeanien, Indonesien, Australien, Afrika sowie Nord- und Südamerika. Zwar haben die Sammlungsstücke überwiegend historischen Charakter, doch sieht es das Museum als wichtige Aufgabe an, auch Gegenwartsprobleme deutlich zu machen, die insbesondere die Akzeptanz kultureller Unterschiede fördern sollen. Nach eigener Darstellung soll vermittelt werden, dass „unsere eigene Kultur und Lebensform nur als eine von weltweit vielen Möglichkeiten interpretiert" werden kann. Die großen Themen-Ausstellungen dienen diesem Ziel und verdeutlichen unterschiedliche Betrachtungsweisen von Natur und Kultur.

Dem Museum angegliedert ist die „Galerie 37" im Haus Schaumainkai 37, die Werke von noch unbekannten Künstlern ozeanischer, indonesischer, afrikanischer und indianischer Herkunft ausstellt.

Eine weitere Einrichtung des Museums, das interkulturelle Atelier IKAT, soll als „Museum zum Anfassen" mit Aktionen und pädagogischen Programmen Menschen jeden Lebensalters diese Institution näher bringen.

 

Deutsches Filmmuseum (Schaumainkai 41). In der Mitte des Sachsenhäuser Museumsufers, am Brückenkopf der Untermainbrücke, ist seit 1984 hinter einer alten, erhalten gebliebenen Villenfassade im neuen baulichen Kern ein Museum entstanden, das weltweit als erstes die Geschichte von Film und Video und damit des wohl faszinierendsten Mediums des 20. Jahrhunderts präsentiert. Geschichte, Technik und Ästhetik des Films werden hier anschaulich erklärt.

Herzstück des Hauses ist das „Kommunale Kino" im Sockelgeschoss mit einer großen Angebotspalette: Stummfilme, Avantgarde- und Dokumentarfilme sowie Retrospektiven werden hier gezeigt. Die jährlichen vier bis fünf Sonderausstellungen im Erdgeschoss sind vor allem der deutschen Filmgeschichte gewidmet. Fragen nach der „Illusion der Realität" und der „Illusion der Bewegung" beantwortet die Dauerausstellung dieses Hauses auf zwei Etagen. Sie präsentiert im 1. und 2. Obergeschoss Vorgeschichte und Geschichte des Films.

Das Museum verwaltet darüber hinaus eine umfassende Filmbibliothek und ein großes Film-, Foto-, Plakat- Text- und Musikarchiv.

 

Café im Architekturmuseum

 

Deutsches Architektur-Museum (DAM, Schaumainkai 43). Unmittelbar neben dem Deutschen Filmmuseum findet sich seit 1984 hinter der erhalten gebliebenen Fassade einer alten Doppel - Villa mit klassizistischen Säulen von 1912 das erste Architekturmuseum auf dem europäischen Kontinent.

Neue sandsteinverkleidete Arkaden umgeben das Gebäude und bilden auch das Entree dieses Hauses, das innen streng und schlicht mit geometrischen Formen spielt.

Dieser Museumsbau des Architekten Oswald Mathias Ungers präsentiert in seinem Inneren ein quadratisches Raumraster, in dem ein weiteres Haus wie eine „Puppe in der Puppe" steckt oder wie ein „hineingestelltes" Haus: ein Symbol der zu vermittelnden Inhalte, das den besonderen Reiz dieses Museums ausmacht.

Wechselausstellungen mit aktuellen Bezügen zur Architektur aus dem In- und Ausland ergänzen die Dauerausstellung, die die Entwicklung der Architektur von der vorgeschichtlichen Hütte bis zu den Wolkenkratzerstädten von heute zeigt — einen Gesamtüberblick über die Bau- und Siedlungsgeschichte des Menschen.

Die umfangreiche Architektursammlung mit mehr als 10 000 Plänen, mit Skizzen und Zeichnungen von Schinkel bis Gehry sowie vielen Architektur-Modellen und die Präsenz-Bibliothek mit mehr als 20 000 Büchern und Zeitschriften bieten dem Interessenten darüber hinaus Gelegenheit zu Studien.

Bibliothek und Archiv einschließlich der Modellsammlung sind nahe dem Südbahnhof in einem ehemaligen Fabrik-Gebäude in der Hedderichstraße 108-110 untergebracht.

 

Museum für Kommunikation Frankfurt (Schaumainkai 53). Ehemals Bundespost-Museum (1958), dann Deutsches Post-Museum (1990), heute Museum für Kommunikation.

1958 entstand dieses Museum in einer Gründerzeit-Patriziervilla (Villa de Neufville, 1891) am Mainufer. Seit 1995 gehört das Haus zur „Museumsstiftung Post und Telekommunikation". 1990 — zum 500-jährigen Jubiläum der Post — wurde es durch den Neubau des Stuttgarter Architekten Günter Behnisch (Architekt der Münchner Olympia-Bauten von 1972) erweitert. In der alten Villa sind heute die Verwaltung und die Präsenzbibliothek untergebracht.

Der Neubau, ein schlanker Baukörper aus Beton, Metall und Glas, kontrastiert mit der alten Villa. Man darf unterstellen, dass diese Zwiesprache zwischen Alt und Neu gewollt ist.

Die Museumsarchitektur verdeutlicht in ihrer Offenheit die Aufgabe und das Thema des Museums.

Die Dauerausstellung spannt den Bogen von den Anfängen der Nachrichten-Übermittlung bis zur modernen Informationsgesellschaft. Wechselausstellungen beleuchten die Bandbreite des Themas.

Neben der durchaus bedeutenden Kunstsammlung mit Werken von Spitzweg, Jawlensky, Max Ernst, Salvador Dali und Picasso zum Thema Kommunikation wird in der Medienwerkstatt ein abwechslungsreiches Angebot auch für Computerfreaks und selbst für Einsteiger geboten, in der die Faszination des Internets erlebt und durch das „Global Village" gesurft werden kann.

 

Museum für Kommunikation

 

Das Städel (Schaumainkai 63). Das unübertroffene „Highlight" der gesamten Frankfurter Museumsszene und insbesondere des Museumsufers ist das „Städel'sche Kunstinstitut und Städtische Galerie", wie es offiziell heißt.

1815 bestimmte der Frankfurter Bankier Johann Friedrich Städel (1728-1816), der durch Getreide- und Gewürzhandel zu Geld gekommen war, in seinem Testament, dass seine umfangreiche Kunstsammlung zusammen mit seinem großen Vermögen einer noch zu gründenden Kunstinstitution vererbt würde. Er verband damit die Bedingung einer öffentlich zugänglichen Kunstsammlung und der Ausbildung und Förderung junger Künstler.

Ihm verdankt Frankfurt das daraus entstandene Museum. Als Kristallisationskern entwickelte es sich wie andere bürgerliche Frankfurter Gründungen und Stiftungen (z. B. Senckenberg-Museum, Palmengarten und Universität) zu einer weltweit renommierten Institution. Der über Jahrzehnte gewachsene Kunstbesitz Städels mit Werken verschiedenster Epochen hat dem Museum von seiner Gründung an eine ungewöhnliche Vielfalt beschert.

Seit 1878 residiert das Städel am Schaumainkai 63 in einem Neubau des Semper-Schülers Oscar Sommer, mit Fassaden der damals üblichen Gründerzeitmonumentalität im Neorenaissance-Stil.

1915-1926 wurde es durch einen rückwärtigen Anbau erweitert. Nach Kriegszerstörung der beiden Eckrisalite wurden diese nach 1945 durch den Frankfurter Architekten Professor Johannes Krahn in moderner Form ergänzt. 1990 kam an der Westseite des Grundstücks der neue Ausstellungsanbau des Wiener Architekten Gustav Peichl hinzu.

Im hinteren Grundstücksteil befindet sich getreu dem Wunsch des Gründers Städel die „Städel-Hochschule für bildende Künste", ausgerichtet auf die Studiengänge Kunst und Architektur.

Das Museum besitzt Meisterwerke vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Am Beginn stehen „frühe Italiener" (Botticelli) und parallel dazu altdeutsche Malerei in Altären und Einzelbildern. Es folgt niederländische Malerei (Rembrandt) mit einer neuen Rezeption der Wirklichkeit, die zum Barock überleitet. An dessen Anfang steht das Hauptwerk des Frankfurter Malers Adam Elsheimer, ein Kreuzaltar, dessen verstreute Einzelteile nach einem kunsthistorischen Krimi hier wieder vereinigt werden konnten. Aufgrund dieses Werkes wurde er in späteren Publikationen als „Großmeister des kleinen Formats" gefeiert. Diese Epoche wird allem aber durch flämisch-holländische Maler gut — um nicht zu sagen repräsentativ — vertreten.

Das 19. Jahrhundert ist im Städel mit deutscher Malerei der Romantik bis hin zu deutschen Impressionisten und den Franzosen Courbet, Monet und Renoir angemessen repräsentiert.

Courbet hat in Frankfurt durch das Städel übrigens eine ungewöhnliche Förderung erfahren: Er hatte dort, als er bereits in Frankreich bekannt geworden war, 1858/59 für einige Monate ein Atelier.

Auf Wilhelm Tischbeins Gemälde „Goethe in der römischen Campagna", das früher den Treppenaufgang als Blickfang bestimmte, sei besonders hingewiesen; ein Beispiel für die Frankfurter Goethe-Verehrung, obwohl dieser bekanntlich seiner Vaterstadt nicht übermäßig gewogen war.

Die Sammlung der Moderne mit Werken z. B. von Munch, Klee, Picasso, Beckmann wurde 1937 durch die Nazis mit der Beschlagnahme der „entarteten Kunst" zerschlagen. Vieles davon ist bis heute verschollen.

Nach 1945 musste hier wieder von vorn begonnen werden, was zumindest in einigen bemerkenswerten Beispielen gelungen ist. Die Kunst des 20. Jahrhunderts ist sonst eher lückenhaft vertreten.

Eine besondere Erinnerung gilt Max Beckmann, der von 1915 bis 1933 in Frankfurt gelebt und seit 1925 auch als Lehrer an der Städelschule gelehrt — ein Künstler mit Weltruf. Von seinen Bildern sind dort unter anderem „Die Synagoge in Frankfurt" (1919) und „Der Zirkuswagen" (1940) wieder zu sehen.

Im modernen Anbau des Wiener Architekten Peichl finden jetzt die Sonderausstellungen statt, die mit zum Teil hochinteressanten Themen (z. B. „Van Gogh und die Maler des Petit Boulevard" im Jahr 2001; „Rembrandt, Rembrandt", 2003) auch über Europa hinaus Interesse fanden.

Ergänzt werden diese Sammlungen durch moderne Skulpturen überwiegend im Freigelände, z. B. die große Stele von U. Rückriem am Mainufer.

Zum Museum gehört eine Grafische Sammlung mit 65 000 Druckgrafiken sowie 25 000 Zeichnungen und Aquarellen aus beinahe allen Epochen. Sie gehört zu den bedeutendsten Sammlungen dieser Art in Deutschland und wird durch Neuerwerbungen bis in die Gegenwart hinein ausgebaut.

 

Das Städel

 

Liebieghaus - Museum alter Plastik (Schaumainkai 71). Das Haus, eine skurrile neugotische Villa von 1896 aus dem Besitz des Textielkaufmanns Baron Heinrich von Liebieg, erwarb die Stadt Frankfurt 1906 zum Vorzugspreis mit der Auflage „auf ewige Zeiten" dort ein Kunstmuseum einzurichten. Das Gebäude wurde für die 1907 gegründete „Städtische Skulpturensammlung" hergerichtet und 1909 als Museum eröffnet.

Die umfangreiche Skulpturensammlung hat europäischen Rang und zeigt mit sumerischen Statuen und Werken der ägyptischen, griechischen und römischen Antike, des Mittelalters, der Renaissance und des Barock bis hin zum Klassizismus hervorragende Beispiele alter Plastik.

Glanzpunkt der Sammlung ist die „Frankfurter Athena", im ersten nachchristlichen Jahrhundert entstandene römische Kopie des verloren gegangenen griechischen Meisterwerks des Bildhauers Myron aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. In der didaktischen Konsequenz folgen der griechischen Klassik Werke des Hellenismus und der römischen Kunst.

Mittelalterliche Gläubigkeit findet ihren besten Ausdruck in Madonnenbildnissen, die ihren Höhepunkt mit Tilman Riemenschneider erreichten.

Die italienische Renaissance verkörpert exemplarisch der „Apoll vom Belvedere" — eine vergoldete Kleinplastik des Mantuaners Pier Jacopo Bonacolsi (genannt Antico).

Werke des Klassizismus bilden den zeitlichen Schlusspunkt der Sammlung. Neben zwei Werken Berthel Thorwaldsens ist hier das im 19. Jahrhundert in ganz Europa bewunderte Werk Johann Heinrich Danneckers „Ariadne auf dem Panther" (1814) zu nennen. Es ist nach schweren Kriegsschäden restauriert worden und konnte seinen hervorragenden Platz im Museum wieder einnehmen.

1989 ist das Liebieghaus durch einen Anbau erweitert worden und hat damit die schon 1909 vorgesehene Doppelflügelanlage verwirklicht.

In einem achteckigen Ecktürmchen ist die Kopie von Myrons Statue der Athena ausgestellt und damit auch baulich besonders hervorgehoben.

 

Liebieghaus

 

Haus Giersch, Museum Regionaler Kunst (Schaumainkai 83). Das in der ehemaligen „Villa Holzmann" untergebrachte Museum ist ausschließlich der Präsentation der Kunst der Region Rhein-Main mit Frankfurt als Zentrum gewidmet. Das zum Ensemble der Sachsenhäuser Ufervillen gehörende Gebäude wurde 1910 für den Bauunternehmer Philipp Holzmann errichtet.

Träger des Hauses ist eine Stiftung des Unternehmer-Ehepaares Giersch von 1994.

In den Erdgeschossräumen wird eine Auswahl an Frankfurter Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gezeigt.

Zwei jährliche Wechselausstellungen — ebenfalls überwiegend zu Themen des 19. und 20. Jahrhunderts würdigen auf insgesamt drei Etagen Künstler, die auf die verschiedenste Weise dem Rhein-Main-Gebiet bzw. der Region verbunden sind.

Zusätzlich werden Führungen und Vorträge angeboten.

 

Bibelmuseum (Metzlerstr. 19). Als jüngstes Museum, nicht direkt am, sondern nur in der Nähe des Museumsufers, wurde das „Bibelhaus am Museumsufer" durch den hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten P. Steinacker eröffnet. Es versteht sich als erstes biblisches „Erlebnismuseum" in Deutschland und ist zugleich Sitz der Frankfurter Bibelgesellschaft.

Das Haus am Ende der Metzlerstraße war früher die Kirche der Deutschen evangelisch-reformierten Gemeinde in Frankfurt, in unmittelbarer Nähe des Museums für Angewandte Kunst und des Museums der Weltkulturen.

Den Besuchern soll das Buch der Bücher nahe gebracht werden, indem sie nicht nur besichtigen, sondern sie sollen zum Anfassen und Mitmachen veranlasst werden: Sie können Musik wie König David machen, in einem Nomadenzelt wie einst Abraham sitzen oder ein Schiff aus Jesus Zeit vom See Genezareth besteigen.

Außerdem können an Terminals mehr als 40 Computer-Spiele und -Programme rund um die Heilige Schrift abgerufen werden.

 

Nützliche Tipps

1. Alle zehn Museen auf dem Sachsenhäuser Mainufer sind montags geschlossen.

Die Öffnungszeiten differieren geringfügig. In der Regel ist an einem Wochentag — meistens Mittwoch — länger geöffnet (bis 20.00 Uhr). Das Bibelmuseum ist nur dienstags (9.00 bis 12.00 Uhr) und mittwochs bis freitags (15.00 bis 18.00 bzw. 20.00 Uhr) geöffnet.

2. Ein jährlich wiederkehrendes Ereignis ist die „Nacht der Museen". Der Eintritt für alle geöffneten Häusern kostet zusammen € 11,—. Karten sind erhältlich in den Museen selbst, in Reisebüros und der „Tourist Information" (Hauptbahnhof und Römer).

3. In jedem Jahr im Sommer findet an 3 Tagen das „Museumsuferfest" statt. Mit dem „Museumsbutton" für € 4,— hat man Eintritt in allen geöffneten Museen.

4. Für die Besucher, die einige Zeit für die Museen des Sachsenhäuser Mainufers übrig haben, bietet sich das „Museumsufer-Ticket" an, die Standard-Karte zu € 12,— (ermäßigt € 6,—). Diese Zweitageskarte ist gültig für beliebig viele Besuche in den Sachsenhäuser und weiteren 15 Frankfurter Museen. Sie berechtigt außerdem zum Besuch aller Dauer- und Sonderausstellungen dieser Häuser. Bei besonders aufwändigen und gefragten Sonderausstellungen ist eine Zuzahlung in Höhe des ermäßigten Eintrittspreises zu zahlen.

5. Die „Museumsufer-Card" ermöglicht ein Jahr lang für € 65,(ermäßigt € 33,—; Familien €120,—) unbegrenzt den Besuch von 23 Frankfurter Museen. Kultur- und Kunstgenuss ohne weiteres Limit bei sonst freiem Eintritt. (Preisangaben Stand Mitte 2004)

6. Wie schon erwähnt: Weitere bedeutende Museen gibt es am Nordufer des Mains und in der Frankfurter Innenstadt. Als Beispiel seien hier einige genannt:

· Jüdisches Museum im Rothschildpalais

· Historisches Museum am Römer

· Museum für Moderne Kunst, MMK

· Kunsthalle Schirn (wechselnde Ausstellungen)

· Museum für Vor- und Frühgeschichte im Karmeliterkloster

· Dom-Museum (Domschatz, kirchliche Kunst und Wechselausstellungen moderner Kunst)

· Goethehaus/Freies Deutsches Hochstift

· Frankfurter Kunstverein im „Steinernen Haus" am Römer

7. Die meisten dieser Museen bieten dem Besucher Cafés oder gelegentlich auch Restaurants, in denen man pausieren und etwas für das leibliche Wohl tun kann.

 

Text: Hans-Joachim Jens in "Sachsenhausen neu entdecken" von Antje Jens (Hrsg.),

Societäts-Verlag 2005, ISBN 3-7973-0929-5

Fotos: frankfurt-sachsenhausen.de

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