Montag
25
Juni
2018
 
Sachsenhausen A-Z

Sachsenhausen entdeckt Antiquitäten

Die Retro-Welle hat auch Sachsenhausen ergriffen: Statt auf minimalistisches Design setzen immer mehr Einwohner auf Antiquitäten und Shabby Chic. Hintergrund ist nicht nur die neue Lust am Sparen, sondern vor allem an der Nachhaltigkeit. Warum neue Möbel kaufen, wenn zahllose alte Möbel zum kleinen Preis erhältlich sind?

Preisverfall bei Antiquitäten befeuert die Nachfrage

Die Flohmärkte von Frankfurt waren in diesem Sommer besonders gut besucht und auch in den Antiquitätenläden spiegelt sich die Nachfrage nach Retro und Second Hand wider. Die FAZ widmete dem Phänomen bereits im letzten Jahr einen Artikel. Vor allem bei hochwerten Antiquitäten und exklusiven Einzelstücken, die früher im Tresor sicher weggesperrt werden mussten, kam es zu einem wahren Preisverfall. Dies schockte die Sammler, die in ihrem Meißner Porzellan und ihren Louis-Quatorze-Sesseln eine Wertanlage sahen, erfreute jedoch diejenigen, die schon immer ein Herz für Antiquitäten hatten, sich diese aber nicht leisten konnten.

Die Generation Erben ist schuld

Experten sehen die Generation der Erben als Schuldige für den Preisverfall: Viele der Jüngeren können nichts mit der geerbten Pracht anfangen und bringen daher massenweise Antiquitäten auf den Markt, die die Preise drücken. Käufer dagegen haben heute keine Lust mehr, eine ganze Wohnung oder ein Haus mit Schränken, Vitrinen und Kleinmöbeln vollzustellen wie früher. Sie setzen eher gezielt auf Einzelstücke: Zum minimalistischen Wohnzimmer, in dem der riesige Plasmafernseher dominiert, gesellt sich ein einziger bequemer alter Sessel als Leseecke. Entsprechend groß ist das Angebot an Antiquitäten auf dem Markt.

Crossover ist angesagt

Zugleich gibt es eine neue Welle junger Haus- und Wohnungskäufer, die bei der Einrichtung auf Nachhaltigkeit achten. Diese Generation greift bei Second-Hand-Möbeln gerne zu und sichert sich im Preis gesunkene Antiquitäten als Hingucker für ihre Einrichtung. Die edle Biedermeier-Kommode, die jetzt schon über hundert Jahre auf dem Buckel hat, ist letztendlich eine bessere Investition als die billige Kommode von Ikea, die unter dubiosen Bedingungen produziert wurde und vermutlich in fünf Jahren schon wieder ersetzt werde muss. Viele junge Leute entdecken dabei zudem eine neue Leidenschaft für das Restaurieren alter Möbel und das Umgestalten der eigenen vier Wände.

Goldene Zeiten also für alle Frankfurter, die sich neu einrichten wollen: Die Antiquitätengeschäfte und Flohmärkte sind voller schöner und mittlerweile preisgünstiger Second-Hand-Möbel, die gemeinsam mit einigen modernen Teilen aus dem Möbelgeschäft zum angesagten "Crossover"-Stil kombiniert werden.